Corona-Mythos Fünf:

Pizzagate

Die QAnon-Verschwörungserzählung geht auf einen Datendiebstahl russischer Hacker 2016 zurück. Eine rasante Verbreitung in Deutschland hat die Erzählung im Zuge der Coronapandemie erfahren. Ihren Ursprung hat sie in den USA und dort mit US-Präsident Donald Trump und mehreren republikanischen Kongressabgeordneten prominente Unterstützer*innen.

 Nach der Veröffentlichung tausender E-Mails aus dem Wahlkampfteam der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton auf der Plattform Wikileaks, erfanden rechten Verschwörungsanhänger*innen die Erzählung vom sogenannten „Pizza-Gate“. Aus einer Essensbestellung mit dem Inhalt „cheesy pizza“ meinten die Erzähler*innen aus den Anfangsbuchstaben c und p abzuleiten, dass es sich dabei um einen Code für Kinderpornografie (engl. child pornography) handeln müsse. In virtuellen Netzwerken kursierte nun die Annahme, dass Clinton und andere Demokrat*innen einen pädosexuellen Ring im Keller einer Pizzeria in Washington betreiben. Auf der Online-Plattform 4chan wurde von einem*einer Nutzer*in, die nach Selbstaussage zum engsten Kreis des Präsidenten gehöre, im Oktober 2017 bezugnehmend auf den sogenannten „Pizza-Gate“ die Information über eine angebliche Festnahme von Hillary Clinton gepostet. Unterschrieben wurden die Beiträge des*der Nutzer*innen fortan mit dem Buchstaben Q. Q bezieht sich in diesem Kontext auf „Q Clearance“, und meint die höchste Sicherheitsstufe des US-Energieminsteriums. Suggeriert wird damit, dass es sich bei Q um einen möglichen Whistleblower handeln könnte.

 Im Kern bedient sie sich alter antisemitischer Erzählungen über eine „Elite“ die im Geheimen die Geschicke der Welt lenkt.  Eine Besonderheit und Gefahr in der Ausbreitung von QAnon liegt darin, dass diese von ihren Anhänger*innen als Mitmach-Erzählung mit eigener Recherche und immer neuen Facetten weiter ausbuchstabiert werden kann.